Ausschreibung: Projektassistenz

03.11.2020 / BfF #1

Die Biennale für Freiburg vergibt ab 1. März 2021 die Stelle einer Projektassistenz.

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Ausschreibung: Projektassistenz

03.11.2020 / BfF #1

Projektassistenz für die Biennale für Freiburg #1

Für die Umsetzung der ersten Ausgabe der Biennale für Freiburg sucht der ausrichtende Verein „Perspektiven für Kunst in Freiburg e.V.“ ab 1. März 2021 eine*n Projektassistent*in.

Die Anstellung im Umfang von 26 Wochenstunden ist befristet bis zum 31. Oktober 2021 zu vergeben und wird mit einem Bruttolohn von € 1.500 vergütet.

Die Biennale für Freiburg (BfF) ist eine neue Plattform für die Präsentation, Entwicklung und Vermittlung zeitgenössischer Kunst in Freiburg. Anhand wechselnder Themensetzungen widmet sie sich künstlerischen Zugängen zu drängenden gesellschaftspolitischen Fragen. Ziel ist es, stetige Bezüge zur Stadt herzustellen und einen nachhaltigen Beitrag zum kulturellen und künstlerischen Leben Freiburgs zu leisten. Die Biennale versteht sich als ein Angebot für Freiburg, das die eingehende Beschäftigung mit der Lokalität in Spannung zu außenstehenden Perspektiven setzt, welche durch die Beteiligten eingenommen werden.
BfF #1 findet 2021 in zwei Phasen statt: Zwischen Mai und Juli 2021 werden teilnehmende Künstler*innen während Arbeits- und Rechercheaufenthalten in Kontakt mit lokalen Gegebenheiten treten, künstlerische Projekte konzipieren und öffentliche Impulse setzen. Im September 2021 werden diese Prozesse in einen Ausstellungsparcours und ein zunehmend verdichtetes Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm übersetzt. Künstlerischer Leiter und verantwortlich für die erste Ausgabe der Biennale für Freiburg ist Leon Hösl.

Diese Qualifikationen sollten Bewerber*innen mitbringen:

  • Abgeschlossenes Hochschulstudium in einem künstlerischen oder geisteswissenschaftlichen Fach.
  • Berufserfahrung in der Entwicklung und Realisierung von Ausstellungen oder anderen künstlerischen Formaten.
  • Großes Interesse an zeitgenössischer Kunst.
  • Selbständiges, zuverlässiges und teamorientiertes Arbeiten, gute Kommunikation,
    Flexibilität und hohe Organisations- Koordinations- und Umsetzungsfähigkeit.
  • Sehr gute Ausdrucksfähigkeit (mündlich und schriftlich) in Deutsch und Englisch.

Zu den Aufgaben gehört die direkte Zusammenarbeit mit dem künstlerischen Leiter bei der Organisation und Durchführung der Ausstellung und des Veranstaltungsprogramms der Biennale, insbesondere in folgenden Bereichen:

  • Mithilfe bei der Planung und Umsetzung von künstlerischen Arbeiten.
  • Kommunikation mit Künstlerinnen, Kooperationspartnerinnen und Firmen.
  • Koordination von Auf- und Abbauarbeiten der Ausstellungen.
  • Organisation von Veranstaltungen.
  • Selbstständige Betreuung einzelner künstlerischer Projekte.
  • Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit und allgemeinen organisatorischen Aufgaben.

Wir bieten:

  • Einblicke in zahlreiche Arbeitsfelder der zeitgenössischen Kunst.
  • Die Mitarbeit bei der Entwicklung eines neuen Ausstellungsformats.
  • Die Zusammenarbeit mit internationalen Künstler*innen.
  • Ein spannendes Arbeitsumfeld, angegliedert an den Kunstverein Freiburg.

Bitte schicken Sie Ihre Bewerbung, inkl. Lebenslauf und Motivationsschreiben bis 20. November 2020 an info@biennalefuerfreiburg.de.
Für weitere Fragen wenden Sie sich gerne an Leon Hösl, lhoesl@biennalefuerfreiburg.de.

Wir freuen uns über Ihre Bewerbung!

Ortsbegehung

24.09.2020 / Biennale für Freiburg

In Vorbereitung der ersten Ausgabe der Biennale für Freiburg laden wir Sie herzlich zur ersten gemeinsamen Begehung ein. Dabei werden bei einem Spaziergang Konzept und Themen vorgestellt und in Bezug zum städtischen Raum gesetzt. Anschließendes Filmscreening von „A Walk“ von Rahima Gambo.

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Ortsbegehung

24.09.2020 / Biennale für Freiburg

ab 19 Uhr
Informationen zur Anmeldung siehe unten.

Das Studio einer Künstlerin, eines Künstlers oder einer Klasse von Kunststudierenden hat nicht zwangsläufig einen physischen Raum zur Bedingung. Ein Studio ist zuerst ein Ort der Produktion, des Experiments und des Austauschs. Ein Studio ist ein geschützter Ort für darin stattfindende Gedanken und Handlungen. Ein Ort für Dinge, die im Werden begriffen sind. Ein Ort der regelmäßigen Überprüfung. Ein Ort, an dem Handlungen präsentiert, getestet und reflektiert werden. Ein Ort, der ehrliche Meinungsäußerung ermöglicht. Ein Ort, um Fähigkeiten zu trainieren und anzuwenden. Ein Ort für Produktion und Zerstörung, für Abwägung und Spontaneität. Ein Studio ist ein Ort, an dem Vorschläge gemacht werden.

Ein weißes Blatt auf dem drei Bleistiftlinien gezogen sind. Zwei davon ziehen Schwünge und Kreise, die mittlere fast gerade. Die mittlere Linie beginnt an drei Punkten, die zu einer Linie zusammenlaufen, die untereste beginnt an einem Punkt und endet in drei seperaten Linien an deren Ende Pfeile gezeichnet sind.

Rahima Gambo, A Walk Map, 2019

Die Biennale für Freiburg (BfF) lädt zu ihrer ersten Veranstaltung ein. Bei einer Ortsbegehung werden Konzept und thematische Überlegungen der ersten Ausgabe in den Raum gestellt und bei einem gemeinsamen Spaziergang vermittelt, getestet und diskutiert. Es wird der erste Versuch unternommen, den öffentlichen Raum zum Arbeitsort zu erklären und ein temporäres, bewegliches Studio zu bilden. Die Veranstaltung endet mit dem Film „A Walk“ (2019) der Künstlerin Rahima Gambo und dauert insgesamt circa 90 Minuten.

An der Ortsbegehung sind beteiligt:
Ronja Andersen und Marius Schwarz, Christoph Chwatal, Rahima Gambo, Aziza Harmel, Fanny Hauser, Leon Hösl, Perspektiven für Kunst in Freiburg e.V. (Heinrich Dietz, Julia Galandi-Pascual, Heidi Brunnschweiler, Ben Hübsch), Magdalena Stöger, Fritz Laszlo Weber.

Auszüge von „A Walk“ von Rahima Gambo

04.11.2020 / BfF #1

„Can we walk as a response to this?“
Dies ist eine der ersten Fragen, die Rahima Gambo in ihrem Video A Walk stellt.

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Auszüge von „A Walk“ von Rahima Gambo

04.11.2020 / BfF #1

Einleitung von Aziza Harmel

Can we walk as a response to this?
Das ist eine der ersten Fragen, die Rahima Gambo in ihrem Video „A Walk“ stellt. Für die Künstlerin ist das Gehen ein narrativer Akt und so sammelt sie auf ihren Spaziergänge Objekte, die sie in ihre Zeichnungen und Installationen integriert. Ihre Praxis des Gehens entwickelte sie bei der Untersuchung der ansteigenden Selbstmordattentaten im Nordosten Nigerias. Unsicher, wie sie diesem Entsetzen begegnen soll, begibt sie sich auf den Weg, um im Gehen die Informationen zu sammeln, die sich unter der Oberfläche dessen befinden, was sie mit ihren eigenen Augen wahrnehmen kann. Dabei wird der Weg zu einem Ort der Erinnerung und des Wissens, gleichzeitig verschiebt sich der Fokus und verschiedene Wahrnehmungen verschmelzen miteinander. Das Gehen umfasst unterschiedliche räumliche und zeitliche Wissenssysteme und ist für die Künstlerin ein Versuch der Heilung, indem Auseinandergerissenes und vereinzeltes Material zusammen findet. Auch in ihren Collagen, Assemblagen, Fotografien und Videostills fühlt der Betrachter diesem Prozess des Neuentstehens aus dem Alten nach, das sich doch essenziell von Bestehendem unterscheidet: „Not a woman, not a plant, not a picture, not a drawing, not a body, not a landscape, not a photograph, not a sculpture, not stillness and not movement.“

Wenn Information Kontrolle bedeutet,
was ist dann das Gegenteil davon?

Die zwei Zeilen lesen sich wie ein Rätsel.
In der tiefen Stille, der tiefen Besinnung,
in den tiefen Wassern.
Wo aller Klang gedämpft ist und die Sicht verschwimmt.
Können wir das begreifen?
Können wir wandern, ohne unser Ziel zu kennen?
Ohne bekannten Ausgang oder ein Ende in Sicht?
Können wir wandern, als Antwort darauf?

Hier
‚Hier war es, wo sie es hochgehen lies‘, sagte ein Mann.
Ich schaue herunter und bemerke einige Fetzen zerrissenen Stoffs,
eins geworden mit Erde und zerbrochenen Stöcken.
Und ich schaute weiter in die Ferne, dahin wo sich das rötliche, braune Land mit dem Himmel trifft.

Wie wickelt man Sprache um das Unerklärliche, das Ungewisse und Schreckliche?
Wenn wir mit dem Unverständlichen konfrontiert werden, stolpert die Sprache vor Angst.
Die Werkzeuge des Deutens, des Bezeugens und des Dokumentierens genügen dann nicht mehr. In diesen Momenten sollten wir keine Phrasen mehr formulieren, sondern vielleicht auf das Inkohärente mit Inkohärenz zugehen, auf das Negative mit Negativität.

Ich habe eine Erinnerung, es ist nicht meine eigene. Es ist die meiner Mutter. Sie ist acht und läuft den Weg von ihrem Dorf ‚Wurode‘ zur Schule. Sie ist ein kleines Kind, kleiner als die anderen Kinder. Während sie geht, wirbelt sie Sand mit ihren Füßen auf. Die Haut an ihren Füßen ist rissig. Winzige Steine schneiden in die weichen Stellen, die bereits taub sind von dem langen, weiten Marsch.

Während ich gehe, denke ich nach. Darüber wie ich einen Bruch richten, einen Schnitt flicken und all die Teile wieder zusammenfügen kann, von dem, was hier in der Landschaft fragmentiert und explodiert ist.

Flucht
Flucht ist die weite Sicht eines Ortes
Flucht ist auch ein anderes Wort für einen Blumenstil der sich von der Erdoberfläche empor hebt.
Flucht ist ein Schaft oder der Teil eines Tiers wie ein Fühler, eine Feder.

Flucht
F-lucht
Fluch-t
fliehen

Fliehen vor den begrenzenden Einschränkungen eines bestimmten Ortes, einer bestimmten Umgebung.
Fliehen vor Verletzung und Trauma.
Trauma, das uns einfriert und erstarren lässt.
Trauma, das uns vorschnell nach einer Sprache greifen lässt,
die dicke Eisschichten über der Leere des Unwissens auftürmt,
wie jemand mal gesagt hat.
Wird das Eis durchbrochen, erkennt man die Zweidimensionalität.

Ich musste mich bewegen.
Ich musste gehen.
Mit jedem Schritt lehne ich mich gegen etwas, dass ich zunächst für das Nichts hielt, doch bei näherer Betrachtung öffnete sich ein dichter und rasender Raum voll Information, nicht Informationen die man einfach als solche erkennt. Sondern etwas, dass sich unter der Oberfläche dessen, was ich mit meinen Augen erkennen konnte, befand.

Während ich ging, lernte ich, dass man sich der Wunde nicht direkt nähern sollte.
Man sollte wandern, um sie herum wandern, sich umdrehen und sich wieder entfernen, eine Zeit lang hinaus gehen, dann auf dem Absatz umdrehen und hineingehen.

Drinnen, das ist wo echte Heilung liegt.
In der Innenwelt und der inneren Landschaft.
Was ist Heilung, außer das Zusammenfügung von Dingen?
Ja, geh auf einer geraden Linie.
Und nach einer Weile, verlass den Pfad und verlass dann auch diesen neuen Weg wieder.
Geh, bis du auseinanderbrichst und jegliche Grenzen zwischen Innen und Außen erschütterst.

Löse dich an deinen Rändern ein wenig auf und verstreue dich selbst als einen Haufen ordentlich geschnittenen Rasen.
Dann beginne langsam, die Einzelteile wieder zusammen zu fügen.
Doch dieses Mal werden die Teile sich so zusammensetzen, wie sie wirklich passen, anders, ganz anders als sie vorher waren.

Unzusammenhängend und unangenehm und inkohärent.
Ja, man fügt sich wieder zusammen.
Aber nicht so, wie es einmal war.
Nicht als Frau, nicht als Pflanze, nicht als Bild, nicht als Zeichnung, nicht als Körper, nicht als Landschaft, nicht als Fotografie, nicht als Skulptur, nicht als Stille, und nicht als Bewegung.

Rahima Gambo ist Künstlerin und lebt in Abuja, Nigeria.

Die Textauszüge sind ein Transkript des Voice Overs aus dem Video *A Walk*, das von Bildern aus der *A Walk Series* begleitet wird. Beide Arbeiten sind Teil des fortlaufenden Projekts *A Walk Space*, das die Künstlerin 2018 begonnen hat. Rahima Gambo wird an der ersten Ausgabe der Biennale für Freiburg kommendes Jahr teilnehmen.

Vielen Dank Maristella Witt für die Transkription und deutsche Übersetzung des Textes und Martha Martin-Humpert für das Lektorat der Übersetzung. Alle Bilder sind Teil der Arbeit *A Walk Series* (2018) von Rahima Gambo, courtesy die Künstlerin.

Ortsbegehung

24.09.2020 / BfF #1

Ortsbegehung und erste öffentliche Ankündigung der Biennale für Freiburg #1

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Ortsbegehung

24.09.2020 / BfF #1

Ortsbegehung und erste öffentliche Ankündigung der Biennale für Freiburg #1

Bei der Ortsbegehung im Stadtpark wurde erstmals das neue Format der Biennale für Freiburg und das Konzept der ersten Ausgabe vorgestellt – ein erster Startschuss für BfF #1, die kommendes Jahr stattfinden wird: zwischen Mai und Juli 2021 mit dem Studioprogramm und im September 2021 mit einer öffentlichen Ausstellung an verschiedenen Orten in Freiburg und einem verdichteten Veranstaltungsprogramm. Vielen Dank an alle, die im September trotz teilweise schwierigen Wetterbedingungen zur Ortsbegehung gekommen sind!

Ankündigung der Biennale für Freiburg im Musikpavillon des Stadtgartens. Fotografie: Marc Doradzillo.

Heinrich Dietz, Direktor des Kunstvereins Freiburg und Vorsitzender des Vereins Perspektiven für Kunst in Freiburg e.V., der die BfF ausrichtet, rekapituliert, wie beginnend mit einer Initiative Freiburger Künstler*innen und Kulturschaffenden die Entscheidung getroffen wurde, eine Biennale auszurichten. Diese Initiative entstand nach der Schließung der Außenstelle der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe im Jahr 2017 und erarbeitete gemeinsam ein Kunstkonzept, das mit Unterstützung des ersten Bürgermeisters Ulrich von Kirchbach in den städtischen Doppelhaushalt aufgenommen wurde. Einig war man sich in der Arbeitsgruppe darüber, dass es, obwohl kein Ersatz, als Reaktion auf die Schließung der Außenstelle neue Impulse für die zeitgenössische Kunst in Freiburg benötigt und diese durch das Format einer temporären Ausstellung, die auch im öffentlichen Raum stattfindet, erzeugt werden können. Aus der Initiative entstand eine kleinere Arbeitsgruppe, die heute den Vorstand des ausrichtenden Vereins bildet, bestehend aus Heidi Brunnschweiler, Heinrich Dietz, Julia Galandi-Pascual und Ben Hübsch. Im nächsten Schritt wurde Leon Hösl als Künstlerischer Leiter mit der Konzeption und Umsetzung des neuen Formats beauftragt.

Heinrich Dietz: „Wenn ich mir das stimmige Konzept für die erste Ausgabe der Biennale für Freiburg anschaue, bin ich überzeugt, dass sie Impulse setzten wird, die sowohl in die Stadt hinein als auch über die Stadt hinauswirken werden. Denn eins ist sicher: mit der ersten Ausgabe der Biennale wird ein neuer und wichtiger Schritt, aber hoffentlich nicht der einzige Schritt getan, um das kulturelle Leben der Stadt nachhaltig mit zeitgenössischer Kunst zu bereichern.“

Heinrich Dietz, Vorsitzender des Vereins Perspektiven für Kunst in Freiburg e.V., der die BfF ausrichtet. Fotografie: Marc Doradzillo.

Für Leon Hösl, Künstlerischer Leiter der Biennale für Freiburg, beinhaltet der Namen des neuen Formats bereits einige Anhaltspunkte für die programmatische Ausrichtung:

„Die Bezeichnung als ‚Biennale‘ steht für eine Kontinuität, durch die, anders als mit kurzfristigen Projekten, eine regelmäßige Auseinandersetzung mit Kunst möglich ist. Es geht nicht darum, den Vergleich mit den größten Biennalen der Welt zu suchen, aber den Rahmen zu schaffen, um immer wieder, aber auch immer wieder anders, künstlerisch auf Freiburg reagieren zu können. Das für impliziert, dass die Stadt Freiburg thematisch die Ausrichtung der jeweiligen Ausstellungen der Biennale bestimmen soll.

‚Für Freiburg‘ ist also auch als Angebot zu verstehen – ein Angebot sich aus der Außenperspektive Gedanken über den lokalen Kontext zu machen und auf diesen zu reagieren; dabei Bedürfnisse festzustellen und auf diese einzugehen, aber auch auf Probleme hinzuweisen und diese direkt anzusprechen. Diese Beziehung zwischen der Biennale für Freiburg und der Stadt Freiburg, bringt das Akronym BfF eigentlich bereits auf den Punkt - BFF, BEST FRIENDS FOREVER.“

Leon Hösl, Künstlerischer Leiter der Biennale für Freiburg. Fotografie: Marc Doradzillo.

Stellvertretend für den kuratorischen Beirat, der an der Konzeption und Programmierung der Biennale für Freiburg beratend beteiligt ist, stellen Christoph Chwatal und Fritz Laszlo Weber die Arbeitsweise der Gruppe vor. Aufgrund aktueller Reisebestimmungen konnten die drei anderen Mitglieder, Aziza Harmel, Fanny Hauser und Magdalena Stöger, nicht anwesend sein, waren aber dennoch bei der Veranstaltung zu hören.

Auszug aus dem Statement des kuratorischen Beirats: „Der Beirat trägt in seiner Form und Ausgestaltung dazu bei, verschiedene Perspektiven auf die Entwicklung einer Biennale für Freiburg zu versammeln. Das Wort ‚für‘ ist, wie auch das Wort ‚bei‘, eine Präposition, ein Verhältniswort. Es steht noch vor dem eigentlichen Ausdruck – wie auch wir noch vor dem eigentlichen Ereignis, der Biennale für Freiburg 2021, stehen. Präpositionen können lokale, temporale oder kausale Bedeutungen tragen oder zur Markierung grammatischer Verhältnisse dienen. Als Beirat sehen wir unsere Aufgabe darin, die Biennale dabei zu begleiten, das Verhältnis von ‚Biennale‘, ‚für‘ und ‚Freiburg‘ auszugestalten.

Verhältnisse sind dabei häufig von unsteter Beschaffenheit. Sie wandeln sich. Sie aktualisieren, erneuern und verändern sich. Gleichzeitig basiert ein Verhältnis immer auf dem, was gewesen ist. Es baut darauf auf. Den Prozess des Begleitens und unsere Gespräche verstehen wir dabei als eine Art Werkzeug, neue Beziehungen und Verhältnisse aufzubauen und zu formen. Aus vormals informellen Momenten des Austauschs entwickeln sich nun neue Arbeitsstrukturen, die wir offenlegen möchten. So begleiten und reflektieren wir die prozesshaften und ortsspezifischen Arbeitsweisen der Biennale.“

Das Konzept für die BfF #1 nimmt, angestoßen durch die erwähnte Schließung der Außenstelle der Karlsruher Akademie für bildende Kunst, das Studio zum Ausgangspunkt. Dabei wird es darum gehen, Prozesse und Handlungen, die üblicherweise im Studio eines Künstlers oder einer Künstlerin stattfinden, in andere Kontexte und Situationen zu übertragen. Nachdem die Ateliers der Kunstakademie nicht mehr existieren, müssen neue Orte gefunden werden, an denen Kunst produziert, diskutiert und gelehrt werden kann. Solche Orte können auch im öffentlichen Raum zu finden sein und eine Methode, sich diesen zu erschließen ist das Gehen. Das Gehen, frei nach Lucius Burckhardt, als Methode, um einzelne Eindrücke in eine filmische Abfolge zu übersetzen, durch die bewegliche Stadtbilder erzeugt werden, die zu einem tieferen Verständnis der Umgebung führen können.

Oder, wie für die Künstlerin und gelernte Journalistin Rahima Gambo, das Gehen als einer Suche nach anderen Formen des Berichtens, das nicht versucht, die subjektiven Erfahrungen von Ereignissen in Fakten zu übersetzen. Ihr fünzehnminütiger Film A Walk wurde unter dem Dach des Musikpavillons gezeigt, darin wird das Gehen zu einer Suche nach einer anderen Form von Wissen und dessen Weitergabe.

Exemplarisch für diesen Zugang wurde bei der Ortsbegehung der Stadtpark im Nordosten der Freiburger Altstadt begangen. Dabei fielen besonders die vielen Denkmäler und Statuen auf, die in diesem Park positioniert wurden – häufig an anderen Orten abgebaut und hier, fast wie in einem Museum, abgestellt.

Ein Denkmal gedenkt der gefallenen Soldaten verschiedener badischer Regimente im ersten und zweiten Weltkrieg: eine gigantische Säule, mit aufgesetztem Helm, auch Hutständer genannt, Inbegriff heroischer Männlichkeit. Der eigentliche Held des Parks fehlt – der Erpel im Teich, der noch vor dem offiziellen Alarm vor Fliegerangriffen auf die Stadt warnte. Sein Schnabel war beschädigt und wird nun sorgsam restauriert. Mitten in den Rosen leuchtet in reinem Weiß eine Marmorstele. Eine Sonnenuhr, mit weiblichem Körper, die Arme, kaum erkennbar, wie gefesselt durch ihr Kleid. Seit einigen Jahren fragmentiert ist sie nachts Vandalismus zum Opfer gefallen und hat ihren Kopf verloren, der noch immer fehlt. Ist sie neidisch auf den Erpel, der so fürsorglich behandelt wird? Soll ihr Kopf auch restauriert werden, und wenn ja wie? Eine weitere Lücke in diesem Park, in dem so viele Objekte stehen, die Erinnerungen verkörpern, ist die Rede von Rosa Luxemburg. Diese hat sie im Jahr 1914 an diesem Ort an tausenden Freiburger*innen gerichtet – an sie gibt es keine materielle Form der Erinnerung – keinen Hutständer oder einen Erpel aus Stein. Bloß ein Sticker auf dem Seifenspender der öffentlichen Toilette. Wie könnte diese Geschichte trotzdem zu einem Teil dieses Ortes werden?

Präsentation der Graphik der BfF an den Wänden der Präsenzgasse, einer der schmalsten Straßen der Stadt. Fotografie: Marc Doradzillo.

Der letzte Halt der Ortsbegehung führt die Gruppe in die wahrscheinlich kleinste Straße Freiburgs. Die leicht zu übersehende Präsenzgasse führt in Richtung des Münsterplatzes. Die Präsenzgasse dient nun als erster Ort, an dem Plakate die BfF #1 ankündigen. Wenn Sie sich für unseren Newsletter anmelden und diesen Blog verfolgen, erfahren Sie hier bald mehr über die Entstehung des Grafikdesigns und der eigens entwickelten Schrift Difficult Times, die von Ronja Andersen und Marius Schwarz entwickelt wurden.

Fotografien: Marc Doradzillo

Studioprogramm
Mai - July 2021

Ausstellung und öffentliche Veranstaltungen
September 2021

Die erste Ausgabe der Biennale für Freiburg (BfF #1) beschäftigt sich unter der Leitung von Leon Hösl mit künstlerischen Produktionsweisen innerhalb und außerhalb des Studios. Ausganspunkt ist die Schließung einer jahrzehntealten Institution, der Außenstelle der Karlsruher Akademie für bildende Künste in Freiburg. Diese bestand aus zwei Klassen für Malerei, die 2017 die Stadt verlassen und an den Hauptstandort nach Karlsruhe gezogen sind. Nun ist die Biennale für Freiburg mit der Situation konfrontiert, dass während mit ihr eine neue Institution für Kunst gegründet wird, mit der Kunstakademie eine andere weggefallen ist. Um diesen Vorgang nicht zu ignorieren, geht BfF #1 dem Verhältnis von temporärer Ausstellung, akademischer Ausbildung und künstlerischen Formen von Lehre und Wissensproduktion nach. Anstatt dabei die eine durch die andere Institution zu ersetzen, soll es darum gehen, Prozesse und Handlungen, die üblicherweise in einem Akademiestudio stattfinden, in andere Kontexte und Situationen zu übertragen. Dies beginnt mit der Behauptung, dass ein Studio nicht notwendigerweise einen physischen Raum benötigt. Fällt dieser weg, müssen andere Räume gefunden werden, die den Bedingungen eines Studios entsprechen. Dafür müssen wir verstehen, was für ein Ort ein Studio ist.

Ein Studio ist ein Ort der Produktion, des Experiments und des Austauschs. Ein Studio ist ein geschützter Ort für darin stattfindende Gedanken und Handlungen. Ein Ort für Dinge, die im Werden begriffen sind. Ein Ort der regelmäßigen Überprüfung. Ein Ort, an dem Handlungen präsentiert, getestet und reflektiert werden. Ein Ort, der ehrliche Meinungsäußerung ermöglicht. Ein Ort, um Fähigkeiten zu trainieren und anzuwenden. Ein Ort für Produktion und Zerstörung, für Abwägung und Spontaneität. Ein Studio ist ein Ort, an dem Vorschläge gemacht werden.

Mit der Suche nach anderen Räumen für künstlerische Produktion und Austausch, reagiert die Biennale für Freiburg auch auf ein sehr aktuelles Gefühl der Isolation innerhalb des eigenen Arbeits- oder Lebensraums. Denn so essentiell dieser als Arbeitsort ist, sobald das physische Studio nicht länger selbst gewählter Rückzugs- sondern erzwungener Schutzraum ist, wird aus der Freiheit eine Beschränkung. Daher sucht BfF #1 nach Wegen, das Studio aufzulösen und auf den öffentlichen Raum zu beziehen. Somit wird für die Biennale für Freiburg #1 der öffentliche Raum zum Ort der Produktion und zum Gegenstand der Auseinandersetzung.

BfF #1 findet 2021 in zwei Phasen statt: Während des Studioprogramms zwischen Mai und Juli 2021 werden teilnehmende Künstler*innen während Arbeits- und Rechercheaufenthalten in Kontakt mit lokalen Gegebenheiten treten, künstlerische Projekte konzipieren und öffentliche Impulse setzen. Im September 2021 werden diese Prozesse in einen Ausstellungsparcours und ein zunehmend verdichtetes Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm übersetzt.

Die Biennale für Freiburg wird von Leon Hösl konzipiert und umgesetzt, gemeinsam mit dem kuratorischen Beirat, bestehend aus Christoph Chwatal, Aziza Harmel, Fanny Hauser, Magdalena Stöger and Fritz Laszlo Weber. Teilnehmende Künstler*innen werden in den nächsten Monaten bekanntgegeben.

Die Biennale für Freiburg (BfF) ist eine neue Plattform für die Präsentation, Entwicklung und Vermittlung zeitgenössischer Kunst in Freiburg. Anhand wechselnder Themensetzungen widmet sie sich künstlerischen Zugängen zu drängenden gesellschaftspolitischen Fragen. Ziel ist es, stetige Bezüge zur Stadt herzustellen und einen nachhaltigen Beitrag zum kulturellen und künstlerischen Leben Freiburgs zu leisten. Die Biennale versteht sich als ein Angebot für Freiburg, das die eingehende Beschäftigung mit der Lokalität in Spannung zu außenstehenden Perspektiven setzt, welche durch die Beteiligten eingenommen werden. Die Wahl des geläufigen Akronyms BFF und worauf es verweist, sind dabei durchaus beabsichtigt: eine Verbindung basierend auf Unterstützung und Intimität, Gespräch und Ehrlichkeit, verknüpft mit dem arglosen Wunsch, dies niemals enden zu lassen – Best Friends Forever.

Künstlerischer Leiter und verantwortlich für die erste Ausgabe der Biennale für Freiburg ist Leon Hösl. Er wurde durch den Vorstand des Vereins Perspektiven für Kunst in Freiburg e.V., der die Biennale ausrichtet, mit der Konzeption und Durchführung beauftragt. Erfahren Sie hier mehr über die erste Ausgabe, BfF #1.

Kontakt

Leon Hösl, Künstlerischer Leiter
info@biennalefuerfreiburg.de
0151 – 64194680

Impressum

Die Biennale für Freiburg wird durch den Verein Perspektiven für Kunst in Freiburg e.V. ausgetragen

Perspektiven für Kunst in Freiburg e.V.
Dreisamstr. 21
79098 Freiburg
verein@perspektivenfuerkunst.de

Vorstand:
Heinrich Dietz, 1. Vorsitzender
Heidi Brunnschweiler, Stellvertretende Vorsitzende
Julia Galandi-Pascual, Schatzmeisterin
Ben Hübsch

Registergericht: Amtsgericht Freiburg
Registernummer: VR 702810

Inhaltlich Verantwortliche gemäß § 10 Absatz 3 MDStv:
Leon Hösl (Geschäftsführer, Anschrift wie oben)

Design: Ronja Andersen und Marius Schwarz
Programmierung: François Girard-Meunier
Schrift: Difficult Times

Der Verein und die Biennale für Freiburg werden unterstützt durch die Stadt Freiburg und die Baden-Würrtemberg Stiftung.

Die Stadt Freiburg im Breisgau unterstützt die Biennale für Freiburg

Alle Rechte, insbesondere das Recht auf Vervielfältigung und Verbreitung sowie Übersetzung vorbehalten. Keine der Abbildungen darf ohne Genehmigung des*der jeweiligen Künstler*in reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
© Perspektiven für Kunst in Freiburg e.V., die Künstler*innen, Fotograf*innen und Autor*innen, 2020

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